Das Fell - Wissenswertes über Strukturen, Arten und Pflege

Bei ca. 95 % der Varianten von Fellstrukturen ist dies auf Mutationen an drei bestimmten Genen zurückzuführen (Quelle: National Human Genome Research Institute). Diese Gene bestimmen in ihren Varianten maßgeblich die verschiedenen Merkmale der Fellstrukturen, wie kurzes oder langes, krauses oder satiniertes und glattes und gewelltes Haar.

Beim Wolf und bei Wildhunden ist das Fell vor allem an Schnauze und Beinen kurz, auf dem Körper dicht aber nicht lang. Die Fellpflege findet hier durch Scheuern an Bäumen und Sträuchern statt.

Bei unseren Haushunden ist das ganz anders: weil die Fellstrukturen sich verändert haben und der Hund sich nicht mehr durch Sträucher und Hecken bewegt, braucht der Hund den Menschen um das Fell zu pflegen.

Rauhaarige Rassen haben z.B. viele Haare auf der Schnauze. Diese Haare verfilzen schnell, wenn Futterreste, Erde oder Wasser hängen bleiben. Bei manchen langhaarigen Rassen ist das Fell so lang, dass die Haare bis auf den Boden reichen. Diese verknoten und verkleben leicht. Dies kann zu Juckreiz führen, sodass die Hunde sich oft kratzen und beißen und es dadurch zu Hautschäden kommen kann.

Durch die Lebensumstände als Haushund ist der Mensch somit verantwortlich für die Veränderungen der Fellstruktur und die dadurch erforderliche Fellpflege.

Fellarten

Es gibt hier eine Reihe von Fellarten, die jede für sich unterschiedlicher Pflege bedürfen. Die Einteilung basiert auf dem Aufbau vom Fell und die Art und Weise des Fellwechsels.

Manche Hunderassen verlieren nur ab und zu ein paar Haare, andere wiederum haben einen sehr intensiven Haarwechsel. Dabei stirbt dann eine komplette Schicht von Haaren ab und fällt von selbst aus oder bleibt lose auf der Haut. Diese extreme Variante tritt nur bei Tieren auf, die zwei unterschiedliche Schichten von Haar haben: eine aus Unterwolle (feine, wollige Haare) und eine Schicht aus Deckhaar (feste und oft etwas längere Haare).

Stockhaar

Alle Fellarten haben sich aus dem Fell des Wolfes entwickelt, dem sog. Stockhaar, das, wie gerade beschrieben, aus zwei verschiedenen Schichten aufgebaut ist. Im Frühjahr stirbt die komplette Unterwolle ab, sodass im Sommer das Fell deutlich dünner als im Winter ist. Im Herbst gibt es noch einen weiteren Fellwechsel und dann bildet sich wieder Unterwolle für den Winter. Die Deckhaare wechseln verteilt über das Jahr.

Das Stockhaar zeigt sich in unterschiedlichen Längen: von kurz, wie bei Rottweiler und Labrador Retriever, über länger, wie beim Deutschen Schäferhund, bis zu lang, wie beim Collie, Somojeden und Spitz.

Glatthaar (Kurzhaar)

Dieses Fell besteht hauptsächlich aus sehr kurzen und festen Deckhaaren. Unterwolle gibt es kaum oder gar nicht. Da es nur eine Schicht an Haaren gibt, wechseln die Deckhaare vereinzelt das ganze Jahr über (z.B. beim Dobermann und Boxer).

Langhaar (mit wenig Unterwolle)

Hunde mit dieser Fellart haben lange Deckhaare mit nur wenig Unterwolle. Der Fellwechsel vollzieht sich hier als sog. „Mosaik-Wechsel“. D.h. periodisch wechselt immer ein Teil der Unterwolle und der Deckhaare. Beispiele sind beim Setter, Spaniel oder Deutsch Langhaar zu finden.

Langhaar (mit viel Unterwolle)

Dieser Felltyp ist für seinen Besitzer und den Groomer am anspruchsvollsten in der Pflege. Das Fell wechselt ständig das ganze Jahr über, daher gibt es immer wieder Knoten und Verfilzungen, da die Unterwolle so dick ist (z.B. beim Bobtail, Tibet Terrier und Shih Tzu)

Krauses Haar

Bei dieser Fellart haben alle Haare die gleiche Länge. Es besteht hauptsächlich aus Unterwolle und wenig Deckhaar. Ein Fellwechsel findet zwar statt, dennoch können die Haare sehr lang werden. Ohne Angst vor Strukturveränderungen sollte dieses Fell regelmäßig abgeschoren oder geschnitten werden (Beispiele sind Pudel und Bedlington Terrier).

Rauhaar

Wir finden hier wieder eine Fellart mit zwei Schichten. Im Unterschied zum Stockhaar wechseln hier die Deckhaare gleichzeitig. Die Deckhaare haben einen Wachstumszyklus von 6 Monaten, unabhängig von der Jahreszeit. Die losen, toten Haare fallen nicht selbst aus dem Fell, sondern müssen von Hand gezupft oder ausgebürstet werden (z.B. beim Cairn Terrier, Schnauzer und Rauhaardackel).

Filzhaar

Dieses doppelte Fell besticht durch eine dicke und lange Unterwolle. Dadurch verfilzt es schnell und bildet beim trennen und reißen eine Art von Schnüren, die aber erst einige Zentimeter über der Haut anfangen. Der Vorteil hier ist, dass es somit nicht zu Hautproblemen kommen kann (z.B. beim Komondor und Puli).

Keine Haare

Hunde dieses Typs werden als Nackthunde bezeichnet. Sie haben fast keine Haare, sondern lediglich eine ganz leichte Behaarung auf dem Kopf, an den Beinen und der Rute. Bei den Nackthunden gibt es auch eine Variante mit Haaren, den sog. Powder Puff. Das für die Nacktheit verantwortliche dominante Gen birgt aber auch ein tödliches Risiko. Deswegen sollten Hunde dieser Rasse auch immer ein rezessives Gen für Behaarung in sich tragen. So kann bei einer Paarung von zwei haarlosen Nackthunden auch mal ein Hund mit Haaren geboren werden (anerkannt nur beim Chinesischen Nackthund).

Wenn man die Struktur vom Fell bei jedem Hund, Rasse oder Mischling, erkennen kann, kann man genau bestimmen welche Behandlung dieses Fell braucht und mit welcher Arbeitstechnik das Fell bearbeitet werden soll.

Weitere Quellen und Inhalte: Jean Beets

Aus dem Fachmagazin special for groomer / Ausgabe 5

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